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Artikel der Kategorie Februar 15th, 2011

Mit Fahrradrikscha über die Grenze oder die Nacht in der Bahnhofshalle

Februar 15, 2011 Von: xindian Kategorie: Nepal

Wir sind um 23.20 Uhr in Rauxal angekommen. Es war eine relativ angenehme Zugfahrt – nicht viele Menschen an Board – Ghosttrain like.
Aber der Bahnhof war voll von Leuten, die hier auf die Weiterfahrt am nächsten Tag warteten. Sie lagen oder saßen hauptsächlich am Boden. Farmer verkauften (verleihten) für 10 Rupien eine Bastmatte. Rikschafahrer wollten uns schon in das nächste Hotel bringen, mit dem Hinweis „Foreign not alowed“. Nach kurzer Beratung haben wir uns entschieden, vor einem geschlossene Bahnschalter die paar Stunden am Boden zu schlafen – unsere grossen Rucksäcke gut verstaut und die kleinen als Kopfkissen hergenommen – Bastmatten auf den Boden gelegt und Schlafsäcke drauf. Der ganze Wartesaal hat uns zugeschaut.
War zwar etwas hart, hell und laut, aber wir haben es überlebt, inclusive der jeden unserer Atemzüge beäugenden Inder und der vielen Mosquitos.
Allein hätte es keiner von uns gewagt, aber als Gemeinschaft war es ok. Die Nacht „im gefährlichsten Bundesstaat von Indien“.
Um kurz vor 5 Uhr wurden alle vor den Schaltern Liegenden geweckt. Nachdem alles wieder verstaut und ein Chai getrunken war, ging es in der Dunkelheit per Fahrradrikschas zur Grenze. Wir waren die ersten Touris. Nach uns kamen einige Busse. Wir wissen nicht genau, warum der Grenzer in seiner Bruchbude  mit Stromausfall jedem von uns 100 indische Rupien für die Ausreise abgeknöpft hat, aber recht aufregen wollten wir uns auch nicht… Einreise in Nepal war unproblematisch, wurden nur nach Bagsisch gefragt, aber nichts von uns bekommen. Zeitunterschied ist 15 Min zu Indien / 4 Std.45 zu Deutschland.
Die 2 Rikschafahrer haben uns erst mal zu einer Busagentur gebracht, wo wir von allen Seiten, normal für Indien, bestürmt wurden. Nach mehrmaligem Verneinen ging es dann endlich zum vereinbarten Ziel Busbahnhof. Auch wieder eine schreiende Meute um uns rum. Kurze Diskussion, schon saßen wir im richtigen, aber klapprigen, bald vollbesetzten Bus für 100 indische Rupien pro Person.
Nach unserer Ankunft haben wir relativ schnell ein grosses 3-Bett- Zimmer gefunden für 700 nepalesische Rupien = 450 indische Rupien, pro Person ca. 2,50 € pro Nacht. Wasser wird hier am Ofen heißgemacht.
Lilly und Norbert besuchen hier im Tarra (tropischer Grünguertel vor dem ca. 6 Std. entfernten Kathmandu) ihr Patenkind. Sie lebt hier in der Umgebung in einem kleinen Dorf. Die Organisation „Plan Nepal“ (sie betreuen ca. 6700 Kinder, 75 % Mädchen, darauf richtet sich ihr Hauptaugenmerk) hat uns am Abend noch im Hotel besucht und zum Essen (leider wie am Vormittag und am Tag danach) eingeladen. In Nepal und Indien (Hindu Hauptreligion) ist es so: hat man 3 Jungs, ist man reich – hat man 3 Maedchen, ist man arm…..liegt an der Mitgift (die sich nach Arbeitskraft, Bildungsstand, Aussehen nur bedingt richtet). Plan versucht langsam, die Tradition zu durchbrechen, dass die Mädchen schon mit 11 Jahren verheiratet werden…..
Valentinsmontag hatten wir ein straffes Programm mit Besuch des Patenkindes Sobha zu durchlaufen.
Aber es war auch ein sehr interessantes. Die Organisation „Plan Nepal“(sie ist in der ganzen Welt vertreten) zeigte uns einige Eckpunkte und Projekte ihrer vielfältigen Arbeit.
Im Dorf von Sabha wurden wir wie Könige von Deutschland empfangen – mit nepalesischer Blasmusik, Begrüssung durch den Ortsvorsteher, mit Umhängen von Blumenkränzen und Salbung unserer Stirn mit roter Farbe – dies wiederholte sich noch 2 Mal an anderer Stelle. Im ganzen Dorf zeigten sie uns verschiedene Tänze und Gesänge von Bollywood-Filmen. Und die Nationalhyme von Nepal wurde vorgetragen von 4 Mädels. Auch wir wurden eingeladen, etwas zu singen oder zu tanzen, haben wir dankend abgelehnt.

Wir konnten uns ein Bild vom Zuhause von Sobha Sah machen. Ärmlichste Verhältnisse, 2 Zimmer mit Lehmboden, in denen sie zu acht oder zu zehnt leben. In der Mitte befindet sich eine Kochstelle. Die Familie ist so arm, weil sie eine Herz-Operation für einen ihrer Söhne (haben drei Söhne und eine Tochter) bezahlen mussten. Wurde finanziert durch die Bank. Der Vater hat feste Arbeit nur für 3 Monate im Jahr in der Zuckerrohrverarbeitung, die restliche Zeit lebt die Familie von der Landwirtschaft, wie 80 % der Nepalesen. Landwirtschaft ist hier Anbau von Zuckerrohr, Kartoffeln, Reis, Raps und Getreide und Viehwirtschaft ( Brennstoffbrickets aus Kuhdung).
Die Familie war trotz der Armut überaus liebenswürdig und zuvorkommend.
Wir haben insgesamt mehrere Schulen, einen Kindergarten, eine Veranstaltung für Menschen mit Einschränkung und einen Aufklärungsunterricht für Mädchen besucht. Bei dem Unterricht werden sie auf das Leben als Frau, und die Gefahren (Aids, Verleitung zur Prostitution usw.) vorbereitet.
Eine interessante Frage wurde uns gestellt, ob in Deutschland die Männer auch soviel trinken und dann ihre Frauen schlagen…..ein Problem in diesem armen Land…. wo die Frauen die Hauptarbeit leisten, sie fahren die Ochsen- und Pferdewagen für den Transport von Heu, sind fürs Getreide zustaendig und vieles mehr.
Es war nicht nur eine Reise zu neuen Kulturen, sondern auch eine Zeitreise nach Deutschland in die Zeit meiner Eltern, Grosseltern vor der Industrialisierung.
Am Abend dann noch ein Besuch bei einem Fussballtraining für junge Mädchen. Bobal Nepal, ein Leader von Plan, hat mich auf dem Motarrad ohne Helm mitgenommen…. Hab dann ein paar Bälle aufs Tor gekickt, bevor es dunkel geworden ist. Handsome..


Morgen geht es um 8 Uhr, es wurde 9.15 Uhr, in einem Minibus für Nepalesische Rupien 425 = 4.20 €, nach Kathmandu.
Es war eine deutsche Einbahnstrasse und einer der schlimmsten Feldwege zusammen, nur wurde sie beidseitig befahren. Gegen 15 Uhr erreichten wir bei Nieselregen Kathmandu.
Nach einer teuren Taxifahrt 250 = 2.50, sind wir in der Einkaufsstrasse angekommen. Wir haben nach 2 Nächten zu dritt im Zimmer in einem Chinesenguesthouse 2 Zimmer ohne Bad gefunden. Etagenbad, Einzelzimmer 1.20 €, Doppelzimmer 2.50 €. Ab 17 Uhr kein Licht.
Dafuer kostet die Pizza mit Getränken 7,- €.
Tamel voll Tourisshops, kompletter Gegensatz zu unserer bisherigen Reise.

Teil 1 Indien geht zu Ende

Februar 15, 2011 Von: xindian Kategorie: Indien

„You can’t change anything. You can’t do anything about it. You have accept that things could be worse, and they’ll never be much better, and you’re completely helpless in the face of it“ aus Shantaram.
Auf dem Weg zum Bahnhof nach Gaya hat ein mit 3 Männern besetztes Fahrrad eine Kuh gerammt.. Mal wieder was passiert. Lustig …..der Kuh ist nichts passiert..
Zugfahren in Indien ist eine unendliche Geschichte. Die geduldig wartenden Inder werden zu ‚Bestien‘, wenn es um Plaetze im Zug geht. Wie die Irren stuerzen sie aus und in den Zug.  Mallorca like werden hier durch Decken, Zeitungen, Tuecher die 2. Klasse-Sitzplaetze reserviert, durchs geoeffnete, aber vergitterte Fenster und mit lautem Geschrei. An die Fenster werden außen Fahrraeder angebunden, und ein Verkaeufer jagt den naechsten. Von Tageszeitungs- und Zeitschriftenverkäufer, Reisverschlussreparierer, Schuhputzer, Fruechte- und Gemueseverkaeufer, Verkäufer des beruechtigten und guten Chai Chai, von Getraenken, CD’s und natuerlich der Mumbali (Nuesse), abgefuellt in Zeitungspapiertueten, und Kokusnuessstuecken (Bihar ist voll von Palmen, Bananenstauden und Mosquitos) laufen anpreisend und lautstark durch den Zug. Sie tragen ihre Waren teilweise auf dem Kopf durch die immer voller werdenden Reihen. An der Decke sind Haltegriffe angebracht, die, solange sie unbelegt sind, im gleichmaessigen Takt des Zuges laut schwingen. Hat schon was, so eine Zugfahrt.  
Die II. Klasse-Fahrt fuer 45 Rupien (3 Pers. fuer ca 80 Cent) von Gaya nach Patna, aus vorgesehenen 2 Std wurden 4,5 Std. plus 1 Std. Rikscha, Sandwich mit eingeschlafenen Fuessen und A…backen, nach Hajipur zum naechsten Bahnhof, wo wir den naechsten Zug zum Nepal -Grenzort nach Rauxal nehmen. Nach unserem scharfen vegetarischem Essen wurden wir in Hajepur wie Ausserirdische begafft. Nachdem Lilly noch das Bilderalbum jemandem gezeigt hat, wurde die Menschentraube immer noch groesser.. Alles was wir taten, wie wir sprachen, wie wir uns bewegten, einfach alles interesiert sie. Ich hab mich hingesetzt und mein Buch weitergelesen….bevor wir die ca.5-Std-Fahrt (indische Zeit) antraten. Apropos Buch – Hitlers „Mein K……“ war hier in in Englisch kaeuflich erwerbbar..einfach so am Bahnhof.
Unser vom Lonely Planet empfohlener Ticketverkauefer hat fuer unsere Tickets im Wert von 400 Rupien knapp 7 Euro Gebuehren verlangt /fuer die Tickets, die 377 Rupien gekostet haben. Was lernen wir  daraus, immer fragen….